Wichtige Fakten
- Was ist der HS-Code?
- Der sechsstellige HS-Code ist ein weltweit genutztes System zur Warenklassifizierung im internationalen Handel.
- Wie unterscheidet sich der TARIC-Code?
- Der TARIC-Code baut auf dem achtstelligen CN-Code auf und fügt zwei weitere Ziffern hinzu. So entsteht eine zehnstellige Codenummer. Diese zusätzlichen Ziffern zeigen EU-spezifische Regelungen an, etwa Zölle, Einfuhrbeschränkungen oder besondere Pflichten wie die EUDR bei der Einfuhr in die EU.
- Welche HS-Codes fallen unter die EUDR?
- Die EUDR nutzt HS- und TARIC-Codes zur Identifizierung der betroffenen Waren und zur Sicherstellung der Sorgfaltsüberprüfung.
- Wo können Unternehmen die relevanten HS- und TARIC-Codes finden?
- Die Plattformen EZT-Online und TARIC stellen zentrale Anlaufstellen dar.
- Welche Funktion haben die Y-Codes?
- Y-Codes bieten spezifische Informationen zu Ausnahmeregelungen.
- Warum ist die korrekte Klassifikation von Waren für Unternehmen wichtig?
- Die präzise Klassifikation von Waren mithilfe der HS- und TARIC-Codes ist von entscheidender Bedeutung, um eine reibungslose Ein- und Ausfuhr zu gewährleisten.
Executive Summary
Der HS-Code ist ein sechsstelliges, weltweit genutztes System zur Warenklassifizierung. Die EUDR nutzt ihn, um betroffene Waren und deren Due-Diligence-Pflichten zu bestimmen. Der TARIC-Code erweitert den HS-/CN-Code auf zehn Stellen und bildet bei der Einfuhr zusätzliche EU-Maßnahmen ab – etwa Zölle, Einfuhrbeschränkungen und regulatorische Anforderungen.
Wichtig ist die klare Rollentrennung: Welche Waren unter die EUDR fallen, regelt Anhang I der Verordnung über CN-Codes. Der TARIC dient dagegen in der Zollanmeldung dazu, per C- und Y-Codes zu belegen, wie die EUDR-Anforderung im Einzelfall erfüllt wird.
Beide Codes greifen zusammen: Nur so lassen sich Waren korrekt klassifizieren, prüfen und als entwaldungsfrei ausweisen.
Unternehmen finden HS-Codes über EZT-Online, TARIC-Codes in der EU-Zolltarifdatenbank der Kommission, ergänzend liefert auch die EUDR-Verordnung selbst Angaben zu den relevanten Codes.
Handlungsempfehlungen
→ Wareneinstufung regelmäßig überprüfen: HS- und TARIC-Nummern systematisch auf Aktualität prüfen.
→ Due-Diligence-Prozesse etablieren: Klare interne Prozesse zur Risikoprüfung und Dokumentation sichern die Nachverfolgbarkeit entlang der Lieferkette.
→ Lieferanten aktiv einbinden: Lieferanten frühzeitig über EUDR-Anforderungen informieren und zu Herkunftsnachweisen verpflichten.
→ Fachexpertise nutzen: Zoll- und Compliance-Experten oder spezialisierte Softwarelösungen helfen, Fehler bei der Klassifizierung zu vermeiden.
Kein Update rund um die EUDR mehr verpassen.
Neue Fachbeiträge, regulatorische Updates und Praxis-Tipps, direkt in Ihr Postfach. Einmal pro Woche, kein Spam.
Unterschied zwischen HS-Codes und TARIC-Codes
Der HS-Code (Harmonized System) ist das international anerkannte Klassifizierungssystem der Weltzollorganisation (WCO). Er bildet mit sechs Stellen die globale Basis und sorgt dafür, dass Waren weltweit einheitlich eingereiht werden können. Länder und Wirtschaftsräume bauen darauf auf und ergänzen weitere Stellen für ihre regulatorischen Zwecke.
In der EU funktioniert die Codestruktur in drei aufeinanderfolgenden Schritten:
→ Stellen 1–6 (HS-Code): weltweite Warennomenklatur der WCO.
→ Stellen 7–8 (CN-Code, Kombinierte Nomenklatur): EU-spezifische Untergliederung. Sie ist die Grundlage für alle Im- und Exportanmeldungen sowie für die innergemeinschaftliche Handelsstatistik. Auch Anhang I der EUDR arbeitet auf dieser Ebene.
→ Stellen 9–10 (TARIC): EU-Maßnahmen wie Zollsätze, Antidumping-Zölle, Einfuhrbeschränkungen und regulatorische Pflichten wie die EUDR. Zusammen mit dem CN-Code ergibt sich so der 10-stellige TARIC-Code, der bei der Einfuhr-Anmeldung zum Einsatz kommt.
→ Stelle 11: nationale Codenummer für mitgliedstaatsspezifische Regelungen (z. B. nationale Verbote oder statistische Zwecke).
Praktische Konsequenz: Bei der Ausfuhr genügt in der Regel die achtstellige Warennummer (CN-Code). Bei der Einfuhr wird die zehnstellige Codenummer (CN + TARIC) angegeben, in Deutschland ergänzt um die elfte nationale Stelle.
Merke: Anhang I der EUDR definiert auf CN-Ebene, welche Produkte erfasst sind. Der TARIC ergänzt diese Information in der Zollanmeldung mit spezifischen Dokumenten- (C-Codes) und Ausnahmecodes (Y-Codes).
TARIC-Nummern: Ein umfassender Überblick
Die rechtliche Grundlage der EUDR TARIC-Codes bildet die Verordnung (EWG) Nr. 2658/87 vom 23. Juli 1987, die die zolltarifliche Nomenklatur und den Gemeinsamen Zolltarif der EU regelt.
Der TARIC harmonisiert EU-spezifische Anforderungen im Handel und umfasst dabei zwei wesentliche Maßnahmenkategorien:
- Tarifäre Maßnahmen legen fest, wie hoch Zölle sind, etwa gegenüber Drittländern, bei Zollkontingenten oder bei zeitweisen Zollaussetzungen. Im Agrarbereich gibt es zusätzlich besondere Regeln, zum Beispiel für Zusatzzölle und Preisfestsetzungen.
- Nicht-tarifäre Maßnahmen sind handelspolitische Instrumente ohne direkten Bezug zu Zöllen. Dazu gehören zum Beispiel Antidumping- und Ausgleichszölle sowie Ein- und Ausfuhrverbote für bestimmte Länder oder Waren. Auch die Kontrolle sensibler Güter zählt dazu – etwa CITES-Waren (geschützte Arten), Dual-Use-Güter (Waren mit ziviler und militärischer Nutzung) und Luxusgüter. Veterinär- und Phytosanitärkontrollen sorgen zusätzlich dafür, dass Sicherheitsstandards eingehalten werden.
Insgesamt stellt der TARIC sicher, dass alle Import- und Exportprozesse den EU-Richtlinien entsprechen und Integrität sowie Nachhaltigkeit im internationalen Handel gewährleistet sind.
Der Aufbau von HS- und TARIC-Codes am Beispiel Kleiderbügel
Ein Beispiel mit Kleiderbügeln aus Holz zeigt den praktischen Nutzen der Codes. Der HS-Code liefert allgemeine Informationen zur Warengruppe. Der TARIC-Code geht weiter: Er zeigt konkret, welche Zölle und Handelsanforderungen beim Import in die EU gelten. Gemeinsam bilden beide Codes ein System, das den internationalen Handel effizienter macht und reguliert.

Bei einer Einfuhranmeldung wird die zehnstellige Codenummer (CN + TARIC) angegeben; in Deutschland kommt eine elfte Stelle für nationale Codenummern hinzu. Bei der Ausfuhranmeldung genügt die achtstellige Warennummer (CN-Code).
Ermittlung von HS- und TARIC-Codes in der EUDR
Die Harmonisierten System-Codes (HS-Codes) und der TARIC (Integrated Tariff of the European Communities) spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der EU-Verordnung zur Vermeidung von Entwaldung (EUDR). Alles rund um die EU Deforestation Regulation erklärt finden Sie hier. Diese Codes dienen als Grundlage zur eindeutigen Identifikation von Warengruppen, die von der Verordnung betroffen sein könnten.
HS-Code-Wechsel bei Verarbeitung: Wann werde ich Downstream Operator?
Eine in der Praxis häufig übersehene Frage betrifft Unternehmen, die Produkte mit relevanten EUDR HS-Codes weiterverarbeiten. Die EU-Kommission hat in der FAQ-Aktualisierung (Version 5, FAQ 3.1.1) klargestellt: Ein Wechsel des Warencodes (HS, CN oder TARIC) führt nur dann zur Einstufung als Downstream Operator, wenn der Wechsel die in Anhang I gelisteten Stellen betrifft.
Ein Beispiel der Kommission verdeutlicht das Prinzip: Unternehmen A in der EU importiert ungerösteten, nicht entkoffeinierten Kaffee (HS 0901 11) und bringt ihn in Verkehr. Unternehmen B kauft, röstet ihn und verkauft ihn weiter (HS 0901 21). A ist Operator, B bleibt Trader, weil beide Codes mit denselben vier Stellen (0901) beginnen und nur diese vier Stellen in Anhang I gelistet sind. Bei den Kapiteln HS 47 (Halbstoffe aus Holz, Papier) und HS 48 (Papier, Pappe) gilt sogar nur die Übereinstimmung der ersten beiden Stellen.
Für die Praxis heißt das: Unternehmen sollten bei jeder Verarbeitung prüfen, ob der neue Code noch zu denselben Anhang-I-relevanten Stellen gehört oder ob er in einen anderen Anhang-I-Eintrag wechselt. Nur im zweiten Fall gilt das Unternehmen als Downstream Operator. Und nur dann greifen die entsprechenden Informations- und Aufbewahrungspflichten.
Die C-Codes betreffen die Erklärung zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten
Es gibt jedoch ein Problem: Beim Import oder Export von EUDR-relevanten Produkten zeigt der bisherige TARIC-Code allein nicht, ob eine Sorgfaltserklärung vorliegt. Deshalb hat die europäische Kommission neue, EUDR-spezifische TARIC-Codes eingeführt. Sie ermöglichen dem Zoll eine schnelle Prüfung: Erfüllt ein Produkt die EUDR-Anforderungen oder nicht?
TARIC-Code C716
Besonders wichtig ist der TARIC-Dokumentencode C716. Er zeigt an: Eine Sorgfaltserklärung liegt vor, das Produkt darf in Umlauf gebracht werden. In der Praxis bedeutet das: Liegt für eine Ware eine Sorgfaltserklärung vor, muss ab Anwendungsbeginn der Verordnung bei der Zollanmeldung sowohl die vollständige Zolltarifnummer als auch der Code C716 angegeben werden. Für all diese Angaben, auch für zusätzliche Informationen wie die Warenbezeichnung, gibt es in der Zollanmeldung eigene, vorgesehene Eintragungsfelder.
TARIC-Code C717
Es wird des Weiteren ein neuer TARIC-Code C717 eingeführt, der für KMU-Marktteilnehmer relevant ist, die gemäß Art. 4 Abs. 8 EUDR von der Sorgfaltspflicht befreit sind. In anderen Worten, betroffene KMUs müssen keine Sorgfaltspflichten für bereits deklarierte relevante Erzeugnisse übernehmen, die bereits der Sorgfaltspflicht entsprechen und für die eine Sorgfaltserklärung vorliegt. Dieser Code muss beim Zoll angegeben werden, wenn die Unternehmen keine Sorgfaltspflicht für bereits meldepflichtige Erzeugnisse erfüllen müssen und eine entsprechende Sorgfaltserklärung vorliegt. C717 dient als Referenznummer für die zuvor übermittelte Sorgfaltserklärung.
Wichtig ist dabei die Logik nach den Vereinfachungen Ende 2025 (Once-only-Ansatz). Die Verantwortung für die formale DDS liegt grundsätzlich beim Erstinverkehrbringer (Operator). Dieser ist gemäß Art. 4(7) EUDR verpflichtet, die DDS-Referenznummer aktiv an den ersten nachgelagerten Akteur (First Downstream Operator oder Trader) weiterzugeben. Die nachgelagerten Akteure müssen ihre eigene Rolle dagegen nicht aktiv erfragen: Erhalten sie von ihrem Lieferanten keine Referenznummer, dürfen sie in gutem Glauben davon ausgehen, dass dieser kein vorgelagerter Operator ist (FAQ 3.4 und 3.5). Sammlung und Aufbewahrung der Referenznummern trifft praktisch vor allem den First Downstream Operator. Weitergehende Prüfpflichten greifen erst bei substantiierten Bedenken und nur für Nicht-KMU. Die Verifikationsnummer der DDS muss gesetzlich nicht entlang der Kette weitergegeben werden – sie kann nur auf freiwilliger Basis oder bei substantiierten Bedenken angefragt werden (FAQ 3.6.1).
Wichtig ist die zeitliche Einordnung der Scope-Änderungen:
Die EUDR-Verordnung selbst wurde Ende 2025 überarbeitet, etwa bei den Anwendungsstichtagen und bei der Once-only-Logik. Veröffentlicht wurde das im Amtsblatt am 23. Dezember 2025. Inhaltliche Änderungen am Produkt-Scope laufen dagegen über einen separaten Delegierten Rechtsakt. Ein Beispiel: die Herausnahme bestimmter Druckerzeugnisse aus Kapitel 49 (CN). Der aktuelle Entwurf (Stand Mai 2026) ist noch nicht endgültig. Er durchläuft eine öffentliche Konsultation bis zum 1. Juni 2026 und wird erst mit der Veröffentlichung im Amtsblatt rechtlich bindend. Für Unternehmen heißt das: Jetzt schon die HS-Code-Mappings vorbereiten. die Änderungen bis zur formalen Verabschiedung aber klar als "voraussichtlich" kennzeichnen.

Die Y-Codes beziehen sich auf spezifische Ausnahmen
Y-Codes kennzeichnen Ausnahmeregelungen, vor allem solche, die für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wichtig sind. Außerdem gelten sie für Waren aus Materialien, die bereits das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, etwa recycelte Materialien.
Ein neuer TARIC-Code Y129 wurde für die „ex“-Codes im Anhang I der EUDR eingeführt. Der Code bezieht sich auf die Deklaration von Waren, die nicht in den Anwendungsbereich von Verordnung fallen, sogenannte „ex“-Erzeugnisse. Hier ist es erforderlich, dass der Anmelder angeben kann, dass die Verordnung für die Einfuhr nicht anwendbar ist, selbst wenn das deklarierte Produkt einem Nomenklaturcode zugeordnet ist, der von der EUDR erfasst wird.
Zur Verdeutlichung:
Das "ex" vor der Warentarifnummer bedeutet: Nur ein Teil der Produkte mit dieser Nummer ist gemeint, nicht alle. Ein Beispiel: Der Tarifcode 9401 steht für Sitzmöbel aus verschiedenen Materialien. Die EUDR betrifft davon aber nur die Sitzmöbel aus Holz.
Der TARIC-Code Y132 bezieht sich speziell auf Art. 1 Abs. 2 EUDR. Er besagt, dass die Vorschriften der EUDR nicht auf die in Anhang I genannten relevanten Erzeugnisse angewendet werden, wenn sie vor dem in Art. 38 Abs. 1 EUDR festgelegten Datum, also vor Geltungszeitraum der EUDR, hergestellt wurden.
Der TARIC-Code Y133 definiert eine Ausnahme gemäß des zweiten Absatzes in Anhang I der EUDR, wonach die Verordnung nicht für Waren gilt, die vollständig aus Materialien hergestellt sind, deren Lebenszyklus abgeschlossen ist. Diese Produkte gelten als recycelt.
Der TARIC-Code Y141 kennzeichnet die Übergangsregelung nach Artikel 38 EUDR in der Zollanmeldung. Seit der Anpassung Ende 2025 gelten zwei Stichtage: Große und mittlere Unternehmen müssen die EUDR-Pflichten ab dem 30. Dezember 2026 erfüllen. Kleinst- und Kleinunternehmen (Stichtag für die Größenklassifizierung: 31. Dezember 2024, nach Bilanzrichtlinie 2013/34/EU) haben mehr Zeit, für sie gelten die zentralen Pflichten erst ab dem 30. Juni 2027. Entsprechend später werden im Zollprozess auch EUDR-Nachweise von ihnen verlangt. Eine wichtige Ausnahme: Für Produkte, die bereits unter die alte EU-Holzhandelsverordnung (EUTR, VO 995/2010) fielen, gilt diese Erleichterung nicht. Hier greifen die EUDR-Pflichten für alle Unternehmen einheitlich ab dem 30. Dezember 2026. Fazit: Y141 sollte immer im Einzelfall geprüft werden, abhängig vom Produkt, der eigenen Unternehmensrolle und dem aktuellen TARIC-Stand.
Der TARIC-Code Y142 wird in Zollanmeldungen verwendet, wenn der Vorgang nicht im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit erfolgt, also etwa bei rein privaten Einfuhren durch natürliche Personen (Consumer-to-Consumer-Konstellationen). Die EU-Kommission stellt in FAQ 3.16 klar, dass Produkte, die ausschließlich der privaten Nutzung oder dem privaten Verbrauch im Zollgebiet der Union dienen, nicht in den Anwendungsbereich der EUDR fallen. Beispiele: ein Reisemitbringsel in haushaltsüblicher Menge oder ein Paket zwischen Privatpersonen aus einem Drittland.


Die Kombinierte Nomenklatur (KN) und der TARIC sind fest in die EUDR eingebunden. So lassen sich Produkte, die möglicherweise zur Entwaldung beitragen, klar klassifizieren. Das erleichtert nicht nur die Verwaltung. Für Unternehmen im internationalen Handel sind die Codes auch unverzichtbar: Mit ihrer Hilfe können sie genau bestimmen, ob ihre Waren unter die Verordnung fallen und welche Schritte für die Compliance nötig sind.
Die genannten Codes sind zentral für die Risikoanalyse und die Erstellung von Sorgfaltserklärungen. Eine präzise Kategorisierung hilft Unternehmen, Risiken in ihren Lieferketten früh zu erkennen und passende Maßnahmen zur Risikominderung umzusetzen. Die richtigen Codes zu kennen und anzuwenden, ist deshalb ein wesentlicher Baustein für die strategische EUDR-Compliance.
Merke: Die korrekte Identifikation und Anwendung der KN- und TARIC-Codes ist Voraussetzung für eine valide Risikoanalyse und rechtssichere Sorgfaltserklärung gemäß EUDR.
Meldepflicht bei Rohstoffen und Endprodukten – Was gilt wann?
Die Meldepflicht bei Rohstoffen und Endprodukten ist ein entscheidender Aspekt der EUDR. Vor allem stellt sich die Frage: Wenn ein Rohstoff von der Regulierung betroffen ist, gilt dies automatisch auch für das daraus resultierende Endprodukt? Die Antwort ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Pflicht, Referenznummern zu sammeln und zu halten, trifft praktisch nur den First Downstream Operator, denn die Weitergabe entlang der gesamten Kette wurde Ende 2025 ausdrücklich entschärft.
Ein Endprodukt wird dann EUDR-relevant, wenn es bestimmte Kriterien erfüllt. Dazu zählen die KN-Position, die Verarbeitungstiefe sowie die ex-Bezeichnung des Produkts. Die KN-Position, auch als Kombinierte Nomenklatur bezeichnet, ist ein wichtiger Faktor, da sie die Einstufung von Waren im internationalen Handel regelt und hilft, die regulatorischen Anforderungen zu bestimmen. Die Verarbeitungstiefe und die ex-Bezeichnung geben darüber hinaus Aufschluss darüber, inwieweit ein Produkt von der Regulierung betroffen ist.
Um dies zu verdeutlichen, sind Beispiele für Produktklassifizierungen hilfreich.
Schritt 1: Einsicht in Anhang I der EUDR
✔️ In der Tabelle zu Anhang I sind die Waren gemäß ihrer Klassifizierung in der Kombinierten Nomenklatur aufgeführt.
Schritt 2: Ermittlung der KN-Position
✔️ Ermitteln Sie die KN Codes für die betroffenen Waren auf TARIC. Beispielsweise betrifft Kapitel 44 Holz und Holzwaren.
Schritt 3: Überprüfung von Anhang I auf ex-Code in der entsprechenden Kategorie
✔️ Überprüfen Sie Anhang I nach relevantem Rohstoff und relevanten Erzeugnissen. Es gilt die ex-Codes zu beachten. Beispiel: Der Tarifcode ex9401 umfasst Sitzmöbel aus unterschiedlichen Materialien, wobei lediglich die Holzprodukte den spezifischen Anforderungen der EUDR unterliegen.

Geplante Änderungen am Produkt-Scope: Delegierter Rechtsakt 2026
Die EU-Kommission ist nach Artikel 34(1) EUDR ermächtigt, Anhang I über Delegierte Rechtsakte anzupassen.
Update: Der Rechtsakt ist seit dem 13. Juli 2026 verabschiedet. Er wird nun zwei Monate von Parlament und Rat geprüft und soll im Dezember 2026 in Kraft treten. Er nimmt unter anderem Druckerzeugnisse sowie Rinderhäute und -leder aus dem Anwendungsbereich heraus und ergänzt neue Produkte wie löslichen Kaffee und bestimmte Palmölderivate.
Da das Inkrafttreten ohne Übergangszeitraum direkt am Folgetag der Veröffentlichung greift, sollten Unternehmen ihre HS-Code-Mappings, DDS-Templates und Lieferantenkommunikation jetzt vorbereiten.
Substanzielle Scope-Änderungen im Überblick:
- Aufnahme: gefrorene Rinderzungen (ex 0206 21 00), löslicher Kaffee (2101 11 00) sowie zusätzliche Palmöl-Derivate aus der Oleochemie (u. a. verschiedene Alkohole, Fettsäuren, Seifenriegel und -flocken).
- Streichung: Häute, Felle und Leder von Rindern (ex 4101, ex 4104, ex 4107) – Begründung: geringer wirtschaftlicher Hebel der EU-Akteure auf vorgelagerte Lieferanten, getrennte Wertschöpfungsketten gegenüber Fleisch.
- Anpassung Rinder: ex 0102 ersetzt 0102 21 / 0102 29 – ein Sammelcode, redaktionell, kein Scope-Wechsel.
- Anpassung Kautschuk: ex 4012 90 30 statt ex 4012 – EUDR-Pflichten bei runderneuerten Reifen beschränken sich künftig auf die neue Gummilauffläche, das Karkassen-Casing fällt aus dem Scope.
- Klarstellung der „ex"-Codes bei Ölpalme und Kautschuk: Erfasst sind nur Produkte, die tatsächlich aus dem relevanten Rohstoff hergestellt wurden.
Hinzu kommen technische Klarstellungen, u. a. zu Abfall, Gebraucht- und Second-Hand-Produkten samt ihren Komponenten, zu Muster- und Testprodukten, nicht-hölzernen und wiederverwendbaren Verpackungen, Marketing- und Informationsmaterial sowie zu Korrespondenz im Sinne der VO (EU) 2015/2446.
Empfehlung: Kennzeichnen Sie die geplanten Codes intern als „voraussichtlich" und beobachten Sie die FAQ-Updates und Leitfäden der Kommission. Wer bereits heute betroffen ist von löslichem Kaffee, gefrorenen Rinderzungen, Palmöl-Oleochemie oder runderneuerten Reifen – oder wer prüfen muss, ob Lederprodukte aus dem eigenen Scope fallen – sollte die Konsultationsphase aktiv für die Vorbereitung nutzen.
Pflichtangaben in der Zollanmeldung: So kommen die Codes zusammen
Compliance entscheidet sich in der Praxis oft direkt am Zoll. Für den Import oder Export EUDR-relevanter Waren müssen in der Zollanmeldung bestimmte Angaben enthalten sein – sonst wird die Ware nicht freigegeben. Voraussetzung ist, dass die DDS (oder ggf. die SD) vor Abgabe der Zollanmeldung im EU-Informationssystem eingereicht und die Referenznummer erhalten wurde.
Diese Pflichtangaben gehören in die Anmeldung:
- Zolltarifnummer (inkl. TARIC): Die zehnstellige EU-Zolltarifnummer auf HS-/CN-Basis, ergänzt um den TARIC.
- Menge: in Kilogramm Nettogewicht (ohne Verpackung), gegebenenfalls plus Zusatzeinheit.
- Unterlagencodierung (TARIC-Dokumentencode): signalisiert dem Zoll, dass die EUDR-Anforderung erfüllt ist (z. B. C716 für „Sorgfaltserklärung liegt vor", C717 bei KMU-Befreiung gemäß Art. 4(8) EUDR).
- Unterlagennummer = Referenznummer der DDS: Die Referenznummer aus dem EU-Informationssystem wird als Unterlagennummer angegeben. Mehrere DDS-Referenznummern lassen sich in einer Zollanmeldung kombinieren.
- ggf. Y-Codes: für Ausnahmen und Erleichterungen (KMU-Konstellationen, Übergangszeiträume, „ex"-HS-Codes aus Anhang I oder Erzeugnisse aus recyceltem Material).
Welche HS-Code-Tiefe muss in der DDS angegeben werden?
Bei der Erstellung der DDS oder SD muss der HS-Code mindestens auf der Stelligkeit angegeben werden, die in Anhang I gelistet ist (FAQ 7.24). Freiwillig kann er bis zu sechs Stellen vertieft werden. Beispiel: HS 1201 (Sojabohnen) ist auswählbar; die Unterpositionen 1201 10 (Saatgut) oder 1201 90 (andere) können freiwillig ergänzt werden. Listet Anhang I bereits sechs Stellen, kann der Anmelder nicht auf eine kürzere Tiefe ausweichen.
Sonderfälle:
- Re-Import: Bei Produkten, die nachweislich zuvor auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht und exportiert wurden, kann die konventionelle Referenznummer 99EU9999999999 statt einer eigenen DDS verwendet werden. Als Nachweise dienen z. B. Zolldokumente, Verträge, Lieferscheine, CMR, Bill of Lading, Air-Way-Bill oder Rechnungen.
- Export durch einen Downstream Operator: Hier entfällt die DDS-Referenznummer; stattdessen wird ein dedizierter TARIC-Zertifikatscode genutzt.
Wichtig: Nur bei vollständiger Codierung inklusive Referenznummer wird die Ware freigegeben. Fehlt eine Angabe, kann der Import oder Export nicht abgewickelt werden.
Praktische Umsetzung für Unternehmen
Unternehmen im internationalen Handel stehen vor einer Herausforderung: Sie müssen stets korrekte und aktuelle HS- und TARIC-Codes verwenden. Die genaue Einstufung der Waren ist wichtig, um zollrechtliche Pflichten zu erfüllen und rechtliche Risiken zu vermeiden. Deshalb sollten Unternehmen diese Codes regelmäßig überprüfen und aktualisieren.
Dabei spielt die Zusammenarbeit zwischen Zollabteilung, Einkauf und Produktmanagement eine zentrale Rolle. Nur wenn diese Abteilungen sich regelmäßig austauschen, bleiben alle auf dem neuesten Stand und können gemeinsam für eine korrekte Wareneinstufung sorgen. Das verhindert Verzögerungen im Betriebsablauf und sorgt gleichzeitig dafür, dass gesetzliche Vorschriften eingehalten werden.
Um die komplexe Tarifierung sicher zu meistern, sollten Unternehmen auf eine korrekte Klassifikation ihrer Waren achten. Dabei helfen praxisnahe Anleitungen sowie digitale Tools wie die EU-Zolltarifdatenbank (TARIC) und EZT-Online. Mit diesen Tools lassen sich Waren präzise und effizient klassifizieren und Unternehmen erreichen ihre Compliance-Ziele leichter. Zusätzliche Rechtssicherheit bietet die verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA): Unternehmen können bei den Zollbehörden eine verbindliche Einstufung ihrer Ware beantragen, die EU-weit für drei Jahre gilt und im Streitfall Rechtssicherheit schafft.
Tipps zur Umsetzung:
- HS- und TARIC-Codes regelmäßig auf Aktualität und Korrektheit überprüfen
- Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Zoll, Einkauf und Produktmanagement sicherstellen
- Digitale Tools wie EU-Zolltarifdatenbank (TARIC) und EZT-Online aktiv nutzen
- Interne Prozesse zur Wareneinstufung dokumentieren und standardisieren
Fazit
Warencodes sind die Grundlage für EUDR-konforme, transparente Lieferketten. Fehler bei der Klassifizierung sind riskant, sie können zu verzögerten Zollfreigaben oder sogar zu Ein- und Ausfuhrverboten führen.
2026 sollten Unternehmen drei Dinge im Blick behalten. Erstens den Delegierten Rechtsakt: Er nimmt Produkte wie löslichen Kaffee, gefrorene Rinderzungen und Palmöl-Derivate neu auf, streicht andere wie Häute, Felle und Leder und klärt einige „ex"-Codes. Zweitens die korrekte Anwendung von TARIC-Dokumenten- und Y-Codes in der Zollanmeldung, auch bei Re-Importen mit der Referenznummer 99EU9999999999. Drittens die Frage, ob eigene Verarbeitungsschritte den Warencode an einer Anhang-I-relevanten Stelle verändern. Nur dann wird aus dem Trader ein Downstream Operator.
Wer HS-, CN- und TARIC-Codes regelmäßig prüft, aktualisiert und alle Änderungen dokumentiert, legt damit den Grundstein für Audits, transparente Berichterstattung und rechtssichere Sorgfaltserklärungen.
Häufig gestellte Fragen
Die relevanten HS-Codes für die Entwaldungsverordnung (EUDR) sind in Anhang I der Verordnung gelistet. Sie decken sieben Rohstoffgruppen ab – Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja und Holz – sowie daraus abgeleitete Erzeugnisse wie Schokolade, Möbel, Reifen und Papier. Anhand dieser Liste können Unternehmen eindeutig prüfen, ob ein Produkt in den Geltungsbereich der EUDR fällt.
Der HS Code (Harmonisiertes System) ist eine internationale Klassifizierungsmethode mit sechs Stellen, die weltweit zur systematischen Einordnung von Waren genutzt wird. Innerhalb der EU wird dieser um zwei Stellen zur Kombinierten Nomenklatur (acht Stellen) ergänzt. Der TARIC-Code fügt zwei weitere Stellen hinzu, um EU-spezifische Handelsschutzmaßnahmen wie Zölle oder Beschränkungen abzubilden. Eine elfte Stelle kann nationale Besonderheiten oder Vorschriften umfassen.
Die HS- und TARIC-Codes sind entscheidend für die Umsetzung der EU-Verordnung zur Vermeidung von Entwaldung (EUDR), da sie die Warengruppen identifizieren, die die Verordnung betrifft. Die verbindliche HS-Code-Liste aller EUDR-pflichtigen Rohstoffe und Erzeugnisse findet sich in Anhang I der Verordnung – von Kakaobohnen über Schokolade bis hin zu Möbeln, Reifen und Papier. Anhand dieser HS-Code-Liste können Unternehmen eindeutig prüfen, ob ein Produkt in den Geltungsbereich der EUDR fällt. Neue TARIC-Codes wie C716 und C717 helfen zusätzlich, die Einhaltung der Sorgfaltspflichten zu überwachen und sicherzustellen, dass betroffene Produkte den EUDR-Anforderungen gerecht werden.
Der TARIC-Code ist entscheidend für die Importkontrolle, da er spezifische Maßnahmen wie Zollsätze und Einfuhrbeschränkungen angibt. Die Codes 776 und 777 im TARIC-System sind beispielsweise für die Ein- und Ausfuhrkontrolle zur Vermeidung von Entwaldung und Waldschädigung relevant.
C-Codes im TARIC-System zeigen die Sorgfaltserklärung eines Produkts. Y-Codes zeigen Ausnahmen. Ein Beispiel: recycelte Waren. Ein anderes Beispiel: besondere Regeln für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Beide Codes helfen Unternehmen und Zollbehörden. Sie zeigen: Die EU-Regeln werden eingehalten.
Die Meldepflicht hängt von der Klassifikation nach der Kombinierten Nomenklatur (KN) ab. Rohstoffe und Endprodukte fallen unter die EUDR, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählen die KN-Position, die Verarbeitungstiefe und die ex-Bezeichnung. Unternehmen sollten ihre Produktspezifikationen genau prüfen. Nur so lässt sich die EUDR-Konformität sicherstellen.
Unternehmen sollten ihre Warencodes regelmäßig prüfen und aktualisieren. Das erfüllt zollrechtliche Pflichten und senkt rechtliche Risiken. Wichtig ist die enge Zusammenarbeit zwischen Zollabteilung, Einkauf und Produktmanagement. Online-Tools helfen bei der richtigen Klassifikation. Zwei Beispiele: die EU-Zolltarifdatenbank (TARIC) und EZT-Online. Sie erleichtern auch die Einhaltung der EUDR.
Die korrekte Nutzung von Warencodes ist essenziell für die EUDR-Compliance. Unternehmen sollten dafür feste Prozesse einrichten. Diese Prozesse prüfen und aktualisieren die Klassifikationen regelmäßig. Ein gutes Dokumentationssystem hilft zusätzlich. Es schafft Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Beides ist wichtig für die regulatorischen Anforderungen. Unternehmen sollten ihre internen Systeme regelmäßig prüfen. So passen sie sich an neue Vorschriften an.

Karim Boukaouche
LinkedInESG-Compliance Experte · lawcode GmbH
Karim Boukaouche berät Unternehmen bei der Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) und begleitet die Implementierung digitaler Lösungen für rechtssichere Lieferketten. Seine Fachbeiträge auf dem lawcode Blog verbinden regulatorische Tiefe mit praxisnahen Handlungsempfehlungen.





