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Supply Chain 28. Mai 2024 · 12 Min Lesezeit

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Aktueller Stand und Umsetzung

Gilt das Lieferkettengesetz noch oder wurde es abgeschafft? Die kurze Antwort: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt 2026 weiter. Berichtspflicht und Bußgeldpraxis wurden entschärft und eine höhere Schwelle ist angekündigt. Dieser Beitrag zeigt, was beim Lieferkettengesetz in Deutschland 2026 bereits gilt, wen es betrifft und wie Sie es umsetzen.

Larissa Ragg

Larissa Ragg

Marketing Managerin · lawcode GmbH

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Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Aktueller Stand und Umsetzung
Inhaltsverzeichnis

Wichtige Fakten

Was ist das LkSG?
Ein Bundesgesetz, das Unternehmen verpflichtet, Risiken für Menschenrechte und bestimmte Umweltstandards in ihren Lieferketten zu ermitteln, vorzubeugen und Verstöße abzustellen.
Wen betrifft es?
Seit 2024 Unternehmen mit Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland und in der Regel mindestens 1.000 Beschäftigten im Inland. Zulieferer sind über Verträge indirekt eingebunden.
Welche Pflichten gelten?
Neun Sorgfaltspflichten nach § 3 LkSG, von der Risikoanalyse über das Beschwerdeverfahren bis zur Dokumentation.
Wer kontrolliert?
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Was droht?
Bußgelder bis 800.000 Euro oder 2 Prozent des Jahresumsatzes sowie der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen.
Aktueller Stand 2026:
Keine Berichtsprüfung mehr, Bußgelder nur bei schweren Verstößen. Die Anhebung der Schwelle auf 5.000 Beschäftigte ist angekündigt, aber noch nicht beschlossen.

Kurzfassung

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ist seit dem 1. Januar 2023 in Kraft und setzt die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verbindlich in deutsches Recht um. Es verpflichtet Unternehmen, Risiken für Menschenrechte und bestimmte Umweltstandards in ihren Lieferketten zu erkennen, ihnen vorzubeugen und Verstöße abzustellen. Dafür brauchen sie ein wirksames Risikomanagement, regelmäßige Risikoanalysen, Präventions- und Abhilfemaßnahmen, ein Beschwerdeverfahren und eine fortlaufende Dokumentation: die Sorgfaltspflichten nach § 3 LkSG.

Direkt betroffen sind seit 2024 Unternehmen mit Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland und in der Regel mindestens 1.000 Beschäftigten im Inland. Viele Zulieferer sind indirekt eingebunden, weil verpflichtete Unternehmen ihre Anforderungen vertraglich weitergeben. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 800.000 Euro, bei Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz bis zu 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, sowie der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen.

Zum aktuellen Stand 2026: Das BAFA prüft seit Oktober 2025 keine Berichte mehr und verfolgt nur noch schwere Verstöße. Die Berichtspflicht soll durch ein Änderungsgesetz rückwirkend gestrichen werden, das noch im Bundestag liegt. Außerdem hat die Bundesregierung angekündigt, die Schwelle auf 5.000 Beschäftigte und 1,5 Milliarden Euro Umsatz anzuheben. Beschlossen ist beides noch nicht. Ab 2029 gilt mit der CSDDD ein EU-weiter Rahmen. Die Sorgfaltspflichten selbst bleiben bis dahin unverändert bestehen.

LkSG-Infos-Überblick
LkSG: Alles wichtige im Überblick zusammengefasst

Lieferkettengesetz aktueller Stand 2026: Was gilt, was ändert sich?

Das LkSG gilt 2026 unverändert für Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten im Inland. Verändert hat sich vor allem die Verwaltungspraxis des BAFA. Mehrere Gesetzesänderungen sind geplant oder angekündigt, aber noch nicht verabschiedet. Damit Sie den Überblick behalten, unterscheiden wir drei Ebenen.

Was bereits in der Praxis gilt

  • Keine Berichtsprüfung mehr: Das BAFA prüft seit dem 1. Oktober 2025 keine LkSG-Berichte mehr. Seit dem 7. November 2025 können Berichte über den BAFA-Zugang nicht mehr eingereicht werden.
  • Bußgelder nur noch bei schweren Verstößen: Auf Weisung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) verfolgt das BAFA seit Herbst 2025 nur noch schwere Verstöße.
  • Anlassbezogene Kontrollen bleiben: Nach Beschwerden, Medienberichten oder Hinweisen kann das BAFA weiterhin prüfen, ob ein Unternehmen seine Sorgfaltspflichten erfüllt.

Was im Gesetzgebungsverfahren ist

Das Bundeskabinett hat am 3. September 2025 den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes beschlossen (BT-Drs. 21/2474). Der Bundesrat nahm am 17. Oktober 2025 Stellung und forderte weitergehende Entlastungen. Der Bundestag hat den Entwurf am 16. Januar 2026 in erster Lesung beraten und an die Ausschüsse überwiesen (Bundestag). Verabschiedet ist er bisher nicht.

Der Entwurf sieht vor:

  • die ersatzlose und rückwirkende Streichung der Berichtspflicht nach § 10 Abs. 2 bis 4 LkSG, bezogen auf alle Berichtszeiträume ab Januar 2023
  • den Wegfall der behördlichen Berichtsprüfung nach §§ 12 und 13 LkSG
  • eine Reduzierung der Bußgeldtatbestände auf vier schwere Pflichtverletzungen, jeweils bezogen auf menschenrechtliche Risiken:
    • fehlende Präventionsmaßnahmen (§ 6 Abs. 1)
    • fehlende Abhilfemaßnahmen (§ 7 Abs. 1)
    • ein fehlendes oder nicht umgesetztes Abhilfekonzept (§ 7 Abs. 2, § 9 Abs. 3)
    • ein fehlendes Beschwerdeverfahren (§ 8 Abs. 1)
  • einen einheitlichen Bußgeldrahmen von bis zu 800.000 Euro, bei Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz weiterhin bis zu 2 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes

Die Sorgfaltspflichten selbst und die interne Dokumentationspflicht nach § 10 LkSG bleiben unverändert bestehen.

Was nur politisch angekündigt ist

Am 2. Juli 2026 hat der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD ein Reformpaket beschlossen. Danach soll das Lieferkettengesetz bereits im Herbst 2026 enger gefasst werden:

  • Höhere Schwelle: nur noch Unternehmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Milliarden Euro weltweitem Jahresnettoumsatz
  • Stärker risikobasiert: Sorgfaltspflichten konzentrieren sich auf tatsächliche Risikoschwerpunkte
  • Weniger Anfragen an kleinere Lieferanten: Informationen von Geschäftspartnern mit weniger als 5.000 Beschäftigten nur noch, wenn sie nicht anders zu beschaffen sind

Ein Gesetzentwurf dazu lag bei Redaktionsschluss nicht vor. Bis ein entsprechendes Gesetz verkündet ist, bleibt es bei der Schwelle von 1.000 Beschäftigten.

Wichtig:

Gestrichen werden soll der Bericht über die Arbeit, nicht die Arbeit selbst. Risikoanalyse, Prävention, Abhilfe, Beschwerdeverfahren und interne Dokumentation gelten für alle Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten unverändert weiter.

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Wird das Lieferketten Gesetz abgeschafft?

Nein, jedenfalls nicht ersatzlos. Der Koalitionsvertrag sieht vor, das LkSG durch ein „Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung“ zu ersetzen, das die EU-Lieferkettenrichtlinie CSDDD umsetzt. Bis dieses Gesetz in Kraft tritt, bleibt das Gesetz geltendes Recht.

LkSG-Berichtspflicht: Muss 2026 noch berichtet werden?

Nein, einen Bericht beim BAFA können und müssen Sie derzeit nicht einreichen. Formal steht die Berichtspflicht nach § 10 Abs. 2 bis 4 LkSG aber noch im Gesetz, bis das Änderungsgesetz verkündet ist. Ursprünglich mussten Unternehmen jährlich darlegen,

  • welche Risiken sie identifiziert haben,
  • welche Maßnahmen sie ergriffen haben,
  • wie sie deren Wirksamkeit bewerten und
  • welche Schlussfolgerungen sie für die Zukunft ziehen.

Die interne Dokumentationspflicht nach § 10 Abs. 1 LkSG bleibt ausdrücklich bestehen. Sie wird sogar wichtiger: Ohne Bericht ist sie der zentrale Nachweis bei anlassbezogenen BAFA-Kontrollen, Kundenaudits und Ausschreibungen. Sie muss belegen können, wann ein Lieferant zuletzt bewertet wurde, welche Maßnahmen daraus folgten, wie auf Hinweise reagiert wurde und wie die Wirksamkeit geprüft wurde.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

  • 5.000 Beschäftigte oder mehr: Für Sie ändert sich am wenigsten. Sie bleiben voraussichtlich verpflichtet und fallen ab 2029 unter die CSDDD. Den BAFA-Bericht können Sie vorerst streichen, die Prozesse dahinter nicht.
  • 1.000 bis 5.000 Beschäftigte: Sie sind heute verpflichtet und könnten es nach einer Gesetzesänderung nicht mehr sein. Bauen Sie Prozesse trotzdem nicht vorschnell ab: Ihre Pflichten gelten bis zur Verkündung, Großkunden verlangen weiter Nachweise, und ein späterer Wiederaufbau kostet mehr als eine schlanke Fortführung.
  • Zulieferer und KMU: Sie erhalten weiter Fragebögen und Nachweisanforderungen. Wird die angekündigte Begrenzung Gesetz, dürften Zertifikate, Vertragsklauseln und vorhandene Informationen an Gewicht gewinnen. Halten Sie diese Nachweise aktuell und griffbereit.

Was ist das Lieferkettengesetz?

Das Lieferkettengesetz, offiziell „Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten“ (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, LkSG), ist ein deutsches Bundesgesetz vom 16. Juli 2021. Es verpflichtet große Unternehmen, menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten im eigenen Geschäftsbereich und bei ihren Zulieferern zu erfüllen. Seit dem 1. Januar 2023 ist es in Kraft.

Das Lieferkettengesetz verlangt eine Bemühenspflicht, keine Erfolgspflicht. Unternehmen müssen nicht garantieren, dass in ihrer Lieferkette nie etwas passiert. Sie müssen aber nachweisen können, dass sie Risiken systematisch erkennen, angemessen reagieren und die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen überprüfen.

Angemessenheit und Wirksamkeit: die zwei Maßstäbe des LkSG

Angemessenheit bedeutet, dass Maßnahmen zur Risikolage passen müssen. Nach § 3 Abs. 2 LkSG hängt das ab von:

  • Art und Umfang der Geschäftstätigkeit
  • Einflussvermögen auf den unmittelbaren Verursacher eines Risikos
  • zu erwartender Schwere, Umkehrbarkeit und Wahrscheinlichkeit einer Verletzung
  • Art des eigenen Verursachungsbeitrags

Wirksamkeit bedeutet, dass Maßnahmen im Alltag funktionieren müssen. Ein unterschriebener Code of Conduct allein reicht nicht, wenn keine Nachverfolgung, keine Eskalation und keine messbare Verbesserung folgen. Genau hier trennt sich „Papier-Compliance“ von einer Umsetzung, die kritischen Nachfragen standhält.

Warum gibt es das deutsche Lieferkettengesetz?

Freiwillige Selbstverpflichtungen im Rahmen von Corporate Social Responsibility (CSR) haben in globalen Lieferketten oft nicht gereicht. Der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) hatte Unternehmen ab 2016 zunächst freiwillig zur Umsetzung von Sorgfaltspflichten aufgefordert. Begleitende Erhebungen zeigten, dass nur ein kleiner Teil die Anforderungen erfüllte. Auslöser der öffentlichen Debatte waren Vorfälle wie der Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in Bangladesch 2013 mit über 1.100 Toten oder der Dammbruch von Brumadinho in Brasilien 2019 mit mehr als 250 Todesopfern.

Inhaltlich setzt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz internationale Standards verbindlich um:

  • UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (2011): Grundsatzerklärung, Risikoanalyse, Prävention, Abhilfe und Beschwerdeverfahren folgen ihrer Logik.
  • OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: Sie liefern praktische Orientierung zu Priorisierung, Lieferantenbeziehungen und Wirksamkeitskontrolle.
  • BAFA-Handreichungen: Sie zeigen, wie die Behörde einzelne Pflichten auslegt, etwa Risikoanalyse, Beschwerdeverfahren und Angemessenheit.
LkSG-Zeitplan-Umsetzung
Lieferkettengesetz: Zeitplan der Umsetzung in Deutschland

Zeitplan des Lieferkettengesetzes

  • Juni 2021: Der Bundestag verabschiedet das Gesetz.
  • 16. Juli 2021: Ausfertigung und Verkündung im Bundesgesetzblatt (BGBl. I S. 2959)
  • 1. Januar 2023: Inkrafttreten für Unternehmen ab 3.000 Beschäftigten
  • 1. Januar 2024: Ausweitung auf Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten
  • 3. September 2025: Kabinettsbeschluss zum Änderungsgesetz
  • 1. Oktober 2025: Das BAFA stellt die Berichtsprüfung ein.
  • 16. Januar 2026: Erste Lesung des Änderungsgesetzes im Bundestag
  • 2. Juli 2026: Der Koalitionsausschuss kündigt die Anhebung der Schwelle auf 5.000 Beschäftigte an.
  • 26. Juli 2029: Die EU-Lieferkettenrichtlinie CSDDD gilt.

Was schützt das Lieferkettengesetz?

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz schützt Menschenrechte und bestimmte umweltbezogene Rechtsgüter, die § 2 LkSG und die Anlage zum Gesetz abschließend aufzählen. Grundlage sind elf internationale Übereinkommen, darunter ILO-Kernarbeitsnormen und UN-Menschenrechtspakte.

Menschenrechtliche Risiken nach § 2 Abs. 2 LkSG sind unter anderem:

  • Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Sklaverei
  • Missachtung von Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Missachtung der Koalitionsfreiheit
  • Ungleichbehandlung in Beschäftigung, etwa aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Gesundheitsstatus
  • Vorenthalten eines angemessenen Lohns, mindestens des örtlichen Mindestlohns
  • schädliche Boden-, Wasser- oder Luftverunreinigungen, die Menschen schaden
  • widerrechtliche Zwangsräumung und widerrechtlicher Landentzug
  • Einsatz von Sicherheitskräften, die Menschen misshandeln

Umweltbezogene Risiken nach § 2 Abs. 3 LkSG betreffen vor allem den verbotenen Umgang mit Quecksilber (Minamata-Übereinkommen), langlebigen organischen Schadstoffen (Stockholmer Übereinkommen) und gefährlichen Abfällen (Basler Übereinkommen). Wie die EU schwere Umweltdelikte künftig strafrechtlich verfolgt, lesen Sie im Beitrag zur Ökozid-Richtlinie.

LkSG-Menschenrechte
Menschenrechte und Umweltaspekte bei der Umsetzung

Besonders hohe Risiken bestehen typischerweise in der Textilindustrie, im Rohstoffabbau, etwa bei Konfliktmineralien wie Coltan, in der Agrarwirtschaft, etwa bei Kakao oder Palmöl, sowie in der Elektronikfertigung. Warnsignale sind zum Beispiel Vermittlungsgebühren für Arbeitskräfte, einbehaltene Ausweise, abhängig machende Lohnabzüge und übermäßige Überstunden.

Wer ist vom LkSG betroffen?

Direkt betroffen ist ein Unternehmen, wenn es einen Deutschlandbezug hat und die Beschäftigtenschwelle erreicht. Rechtsform und Branche spielen keine Rolle (§ 1 LkSG). Ein Umsatzkriterium gibt es im Lieferkettengesetz bisher nicht.

LkSG-Betroffene-Unternehmen
Diese Unternehmen sind vom Gesetz betroffen

Ab wie vielen Mitarbeitern gilt das Lieferkettengesetz?

Das LkSG gilt seit dem 1. Januar 2024 für Unternehmen mit in der Regel mindestens 1.000 Arbeitnehmern im Inland. Der Gesetzestext stellt dabei ausdrücklich auf die Zahl der Arbeitnehmer ab, nicht auf Umsatz oder Bilanzsumme.

  • Seit 1. Januar 2023: in der Regel mindestens 3.000 Beschäftigte im Inland
  • Seit 1. Januar 2024: in der Regel mindestens 1.000 Beschäftigte im Inland
  • Angekündigt für Herbst 2026: mindestens 5.000 Beschäftigte und mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz (noch nicht beschlossen)

Ins Ausland entsandte Beschäftigte zählen mit. Leiharbeitnehmer werden berücksichtigt, wenn ihre Einsatzdauer sechs Monate übersteigt.

Wann besteht ein Deutschlandbezug?

Das Gesetz erfasst Unternehmen mit Hauptverwaltung, Hauptniederlassung, Verwaltungssitz oder satzungsmäßigem Sitz in Deutschland. Ausländische Unternehmen fallen darunter, wenn sie eine Zweigniederlassung nach § 13d HGB in Deutschland mit in der Regel mindestens 1.000 Beschäftigten haben. Unternehmen mit Hauptsitz im Ausland unterschätzen diesen Anknüpfungspunkt häufig.

Konzern, Tochter, Zweigniederlassung: typische Grenzfälle

Nach § 1 Abs. 3 LkSG werden bei der obersten Muttergesellschaft die im Inland Beschäftigten aller konzernangehörigen Gesellschaften mitgezählt. Eine Holding mit wenigen eigenen Mitarbeitern kann also verpflichtet sein. Zentrale Standards wie Grundsatzerklärung oder Beschwerdeverfahren werden oft konzernweit festgelegt, die Umsetzung muss aber in den Einheiten funktionieren.

Klären Sie deshalb früh:

  • Wer bewertet Risiken?
  • Wer entscheidet über Eskalationen?
  • Wer verfolgt Maßnahmen nach?
  • Wer dokumentiert die Wirksamkeit?

Sind Zulieferer und KMU vom Lieferkettengesetz betroffen?

Nicht direkt, in der Praxis aber oft deutlich. Verpflichtete Unternehmen geben ihre Anforderungen vertraglich weiter. Typisch ist ein Kaskadeneffekt:

  1. Das LkSG-pflichtige Unternehmen verankert Erwartungen bei seinen unmittelbaren Zulieferern, etwa über Supplier Code of Conduct, Fragebögen, Auditrechte oder Maßnahmenpläne.
  2. Diese Zulieferer geben die Anforderungen an ihre eigenen Lieferanten weiter.
  3. So wird das Lieferkettengesetz auch für viele Mittelständler relevant, ohne dass sie selbst verpflichtet sind.

Wer Nachweise nicht liefern kann, wird bei Ausschreibungen großer Kunden schlechter bewertet oder gar nicht ins Lieferantenpanel aufgenommen. Umgekehrt verschafft eine saubere Dokumentation einen Wettbewerbsvorteil.

Gut zu wissen:

Verpflichtete Unternehmen dürfen ihre Sorgfaltspflichten nicht einfach per Vertrag an Zulieferer abwälzen. Sie bleiben selbst verantwortlich, und Anforderungen an Lieferanten müssen angemessen sein. Als nicht verpflichteter Zulieferer müssen Sie einen LkSG-Fragebogen gesetzlich nicht beantworten. Ihr Kunde wird eine fehlende Antwort aber in seiner Risikoanalyse berücksichtigen.

Welche Sorgfaltspflichten gelten nach dem LkSG?

§ 3 Abs. 1 LkSG nennt neun Sorgfaltspflichten. Sie gelten für den eigenen Geschäftsbereich und unmittelbare Zulieferer, bei mittelbaren Zulieferern anlassbezogen. Zusammen ergeben sie ein geschlossenes System: Risiken erkennen, vorbeugen, abhelfen, Hinweise aufnehmen, dokumentieren.

LkSG-Sorgfaltspflichten
Die 9 Sorgfaltspflichten des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz
  1. Risikomanagement einrichten (§ 4 Abs. 1): angemessen, wirksam und in alle maßgeblichen Geschäftsabläufe eingebunden, insbesondere in Einkauf und Lieferantenauswahl
  2. Betriebsinterne Zuständigkeit festlegen (§ 4 Abs. 3): etwa durch einen Menschenrechtsbeauftragten. Die Geschäftsleitung muss sich mindestens jährlich über dessen Arbeit informieren lassen.
  3. Regelmäßige Risikoanalysen durchführen (§ 5): einmal jährlich sowie anlassbezogen, etwa bei einer neuen Produktlinie oder einem neuen Beschaffungsland
  4. Grundsatzerklärung abgeben (§ 6 Abs. 2): eine Erklärung der Geschäftsleitung zur Menschenrechtsstrategie
  5. Präventionsmaßnahmen im eigenen Geschäftsbereich verankern (§ 6 Abs. 1 und 3): etwa Beschaffungsstrategien, Schulungen und risikobasierte Kontrollen
  6. Präventionsmaßnahmen gegenüber unmittelbaren Zulieferern verankern (§ 6 Abs. 4): etwa Auswahlkriterien, vertragliche Zusicherungen, Schulungen und Kontrollen
  7. Abhilfemaßnahmen ergreifen (§ 7 Abs. 1 bis 3): Verletzungen verhindern, beenden oder minimieren
  8. Beschwerdeverfahren einrichten (§ 8): zugänglich für interne und externe Personen, auch für Beschäftigte bei Zulieferern.
  9. Sorgfaltspflichten bei mittelbaren Zulieferern umsetzen (§ 9): bei substantiierter Kenntnis einer möglichen Verletzung

Hinzu kommt die Dokumentations- und Berichtspflicht nach § 10 LkSG. Die interne Dokumentation gilt unverändert, die Aufbewahrungsfrist beträgt sieben Jahre. Die jährliche Berichtspflicht wird derzeit nicht vollzogen.

Risikoanalyse: das Herzstück

Die Risikoanalyse ist die Grundlage aller weiteren Maßnahmen. Ohne sie lässt sich weder begründen, welche Lieferanten Sie intensiver prüfen, noch, welche Maßnahmen angemessen sind. In der Praxis läuft sie in vier Schritten ab:

  1. Abstrakte Risikobetrachtung: Lieferanten nach Länder- und Branchenrisiken einordnen
  2. Konkrete Risikobewertung: bei erhöhtem Risiko Selbstauskünfte, Zertifikate oder Auditberichte einholen
  3. Gewichtung und Priorisierung: nach Schwere, Wahrscheinlichkeit, Einflussvermögen und eigenem Verursachungsbeitrag
  4. Kommunikation und Maßnahmen: Ergebnisse an Geschäftsleitung und Einkauf weitergeben, Maßnahmen ableiten

Grundsatzerklärung ist nicht gleich Code of Conduct

Grundsatzerklärung und Code of Conduct werden oft gleichgesetzt. Die Grundsatzerklärung nach § 6 Abs. 2 LkSG ist eine Erklärung der Geschäftsleitung zur eigenen Menschenrechtsstrategie: Sie beschreibt das Verfahren, die priorisierten Risiken und die Erwartungen an Beschäftigte und Zulieferer. Ein Supplier Code of Conduct ist dagegen ein Präventionsinstrument, das diese Erwartungen in verbindliche Anforderungen an Lieferanten übersetzt.

Beschwerdeverfahren: Anforderungen nach § 8

Das Beschwerdeverfahren ist eine Grundpflicht und für Kunden, Auditoren und das BAFA oft der erste Prüfpunkt, weil sich ein fehlender Meldekanal leicht feststellen lässt. Ein wirksames Verfahren erfüllt diese Anforderungen:

  • Zugänglichkeit: erreichbar für interne und externe Hinweisgebende, auch Beschäftigte von Zulieferern im Ausland, idealerweise mehrsprachig
  • Vertraulichkeit: Schutz der Identität, anonyme Meldungen sollten möglich sein
  • Schutz vor Repressalien: keine Benachteiligung von Hinweisgebenden
  • Öffentliche Verfahrensordnung: der Ablauf in Textform, öffentlich zugänglich
  • Unparteiische Bearbeitung: zuständige Personen sind unabhängig und zur Verschwiegenheit verpflichtet
  • Eingangsbestätigung und Erörterung: Hinweisgebende erhalten eine Bestätigung, der Sachverhalt wird mit ihnen erörtert
  • Jährliche Wirksamkeitsprüfung: mindestens einmal jährlich sowie anlassbezogen

Viele Unternehmen bündeln das Beschwerdeverfahren mit dem internen Meldekanal nach dem Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) in einem digitalen Hinweisgebersystem. Das spart Aufwand, setzt aber voraus, dass der Kanal auch für externe Personen in der Lieferkette offen ist.

Schritt für Schritt zur Umsetzung

Benennen Sie eine verantwortliche Person, etwa einen Menschenrechtsbeauftragten, die das Risikomanagement überwacht und direkt an die Geschäftsleitung berichtet. Legen Sie außerdem fest, welche Aufgaben Einkauf, Compliance, Nachhaltigkeit und HR übernehmen. Ohne klare Zuständigkeiten bleiben Risikobewertungen und Maßnahmen im Alltag liegen, weil sich niemand verantwortlich fühlt.

Erfassen Sie alle unmittelbaren Zulieferer an einem zentralen Ort, mit Herkunftsland, Warengruppe und Einkaufsvolumen. Diese Übersicht ist die Grundlage für jede weitere Bewertung. In vielen Unternehmen liegen die Daten verstreut in mehreren ERP-Systemen oder Excel-Listen. Sie zusammenzuführen, kostet anfangs Zeit, spart aber bei jeder späteren Risikoanalyse Aufwand.

Ordnen Sie Ihre Lieferanten zunächst nach abstrakten Länder- und Branchenrisiken ein, etwa anhand anerkannter Indizes. Lieferanten mit erhöhtem Risiko bewerten Sie anschließend konkret, über Selbstauskünfte, Zertifikate oder Audits. Die Risikoanalyse ist einmal jährlich sowie anlassbezogen fällig, zum Beispiel bei einem neuen Beschaffungsland oder einer neuen Produktlinie.

Auf Basis der Risikoanalyse formuliert die Geschäftsleitung ihre Menschenrechtsstrategie. Die Grundsatzerklärung beschreibt, wie das Unternehmen seine Sorgfaltspflichten erfüllt, welche Risiken es priorisiert und was es von Beschäftigten und Zulieferern erwartet. Sie wird intern kommuniziert, an die Zulieferer weitergegeben und öffentlich zugänglich gemacht.

Übersetzen Sie die Erwartungen aus der Grundsatzerklärung in konkrete Maßnahmen. Dazu gehören Vertragsklauseln mit Zusicherungen und Kontrollrechten, Schulungen für Einkauf und Risikolieferanten sowie Menschenrechtskriterien bei der Lieferantenauswahl. Wichtig ist eine risikobasierte Abstufung: Basisanforderungen für alle Lieferanten, erweiterte Anforderungen dort, wo das Risiko hoch ist.

Stellen Sie einen Meldekanal bereit, über den interne und externe Personen auf Risiken und Verstöße hinweisen können, auch Beschäftigte bei Zulieferern im Ausland. Das Verfahren muss vertraulich sein, vor Repressalien schützen und idealerweise mehrsprachig funktionieren. Kommunizieren Sie den Zugang aktiv, zum Beispiel über Lieferantenverträge, Ihre Website oder einen QR-Code in Schulungsunterlagen.

Legen Sie fest, was passiert, wenn ein Verstoß festgestellt wird: Wer entscheidet, welche Fristen gelten und wie eskaliert wird. Bewährt hat sich eine abgestufte Logik aus Erinnerung, Maßnahmenplan, Management-Eskalation und, als letztes Mittel, Beendigung der Geschäftsbeziehung. Wer diesen Prozess vorab definiert, kann im Ernstfall schnell und nachvollziehbar reagieren.

Halten Sie jede Risikobewertung, Entscheidung und Maßnahme fortlaufend und mit Datum fest. Die Dokumentation muss sieben Jahre aufbewahrt werden. Seit die Berichtspflicht nicht mehr vollzogen wird, ist sie Ihr wichtigster Nachweis, gegenüber dem BAFA, gegenüber Auditoren und Ihren Kunden.

Überprüfen Sie Risikomanagement und Beschwerdeverfahren mindestens einmal jährlich sowie anlassbezogen. Hilfreich sind Kennzahlen wie der Anteil kritischer Lieferanten mit Maßnahmenplan, die Abschlussquote offener Findings oder die durchschnittliche Zeit bis zur Abhilfe. Zeigen die Ergebnisse Lücken, passen Sie Ihre Maßnahmen an. Genau diese Nachsteuerung unterscheidet ein funktionierendes System von reiner Papier-Compliance.

Praxistipp

Verstreute Excel-Listen sind der häufigste Grund, warum Risikoanalysen später nicht nachvollziehbar sind. Führen Sie Lieferanten, Bewertungen, Nachweise und Maßnahmen von Anfang an zentral und mit Zeitstempel. Überwachen Sie dabei auch die Ablaufdaten von Zertifikaten.

Praxisbeispiel: Umsetzung im Maschinenbau

Ein Maschinenbauunternehmen mit 1.200 Beschäftigten fällt seit Januar 2024 unter das LkSG. Es bezieht Bauteile von rund 80 Lieferanten aus 15 Ländern, darunter Zulieferer in Süd- und Südostasien.

  • Zuständigkeit: Der Leiter Einkauf wird Verantwortlicher und berichtet direkt an die Geschäftsführung.
  • Risikoanalyse: 12 der 80 Lieferanten gelten als risikokritisch. Sie erhalten Selbstauskunftsfragebögen, für zwei werden Audits vor Ort beauftragt.
  • Prävention: Alle Lieferantenverträge erhalten eine Verhaltenskodex-Klausel. Drei Risikolieferanten werden gemeinsam mit einem lokalen NGO-Partner geschult.
  • Beschwerdeverfahren: Ein mehrsprachiges digitales Hinweisgebersystem wird über einen QR-Code in Verträgen und Schulungsunterlagen kommuniziert.
  • Abhilfe: Bei einem Lieferanten in Indien werden Verstöße gegen Arbeitszeitregeln festgestellt. Er erhält einen Maßnahmenplan mit 90 Tagen Frist und Unterstützung durch einen lokalen Berater.
  • Dokumentation: Der gesamte Prozess wird lückenlos festgehalten, von der Feststellung bis zur bestätigten Abhilfe.
LkSG-Lieferantenprozess
Lieferantenmanagement und Einkaufsprozesse im LkSG

Lieferantenmanagement: Was reicht, was nicht?

Ein Code of Conduct und ein Fragebogen sind ein guter Einstieg, aber kein vollständiges Lieferantenmanagement. Bei niedrigem Risiko genügen oft Basisanforderungen, bei Hochrisiko-Lieferanten braucht es zusätzliche Nachweise, Audits und klare Eskalationsregeln. Typische Bausteine sind:

  • Onboarding: Selbstauskunft und Akzeptanz der Mindeststandards bei der Aufnahme neuer Lieferanten
  • Vertragliche Absicherung: Informations-, Nachweis- und Auditrechte sowie Abhilfepflichten
  • Monitoring: Nachweisprüfung, risikobasierte Audits und Kennzahlen wie Abschlussquote von Findings oder Zeit bis zur Abhilfe
  • Eskalationsstufen: Erinnerung, Maßnahmenplan, Management-Eskalation, Beendigung als letztes Mittel
  • Lieferantenentwicklung: Maßnahmenpläne, Trainings, regelmäßige Reviews und Anreize wie ein bevorzugter Lieferantenstatus

Wie Sie Sorgfaltspflichten dauerhaft in Ihre Einkaufsprozesse übersetzen, lesen Sie im Beitrag zur nachhaltigen Beschaffung.

Verstoß in der Lieferkette: Was ist zu tun?

Stellt ein Unternehmen eine Verletzung fest oder steht sie unmittelbar bevor, muss es unverzüglich Abhilfe schaffen (§ 7 LkSG):

  • Im eigenen Geschäftsbereich im Inland: Die Maßnahme muss die Verletzung beenden.
  • Im eigenen Geschäftsbereich im Ausland und bei Konzerngesellschaften: Sie muss sie in der Regel beenden.
  • Bei unmittelbaren Zulieferern: Ist ein schnelles Ende nicht möglich, ist unverzüglich ein Konzept mit konkretem Zeitplan zu erstellen.
  • Bei mittelbaren Zulieferern: Bei substantiierter Kenntnis folgen eine anlassbezogene Risikoanalyse und angemessene Maßnahmen.

Der Abbruch einer Geschäftsbeziehung ist nach § 7 Abs. 3 LkSG nur als letztes Mittel geboten: bei einer sehr schwerwiegenden Verletzung, wenn das Abhilfekonzept nach Fristablauf nicht gewirkt hat und keine milderen Mittel bleiben. Eine zivilrechtliche Haftung begründet das Lieferkettengestz nicht (§ 3 Abs. 3). Bestehende Haftungsregeln bleiben aber unberührt, und Betroffene können Gewerkschaften oder NGOs ermächtigen, ihre Rechte vor deutschen Gerichten geltend zu machen (§ 11).

Bußgelder und BAFA-Kontrolle

Der gesetzliche Bußgeldrahmen nach § 24 LkSG gilt bis zur Verkündung des Änderungsgesetzes unverändert:

  • bis zu 800.000 Euro für schwere Pflichtverletzungen, etwa wenn eine festgestellte Verletzung nicht abgestellt wird
  • bis zu 2 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Jahresumsatzes bei Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz
  • bis zu 500.000 Euro beziehungsweise 100.000 Euro für weitere Pflichtverletzungen
  • Zwangsgelder bis 50.000 Euro zur Durchsetzung behördlicher Anordnungen
  • Ausschluss von öffentlichen Aufträgen für bis zu drei Jahre nach § 22 LkSG, in der Regel bei einem rechtskräftigen Bußgeld ab 175.000 Euro, mit Eintrag ins Wettbewerbsregister

In der Praxis verhängt das BAFA Bußgelder derzeit nur noch bei schweren Verstößen. Bei einer anlassbezogenen Kontrolle geht es selten um eine perfekte Lieferkette, sondern um Nachvollziehbarkeit. Neben Bußgeldern zählt das Reputationsrisiko: Wer Nachhaltigkeit nach außen verspricht, sie intern aber nicht belegen kann, setzt sich schnell dem Vorwurf des Greenwashing aus.

Typische Prüfpunkte sind Governance und Zuständigkeiten, Methodik und Ergebnisse der Risikoanalyse, die Verankerung von Präventionsmaßnahmen im Einkauf, die Reaktion auf konkrete Hinweise, die Wirksamkeit des Beschwerdeverfahrens und eine nachvollziehbare Dokumentation.

LkSG-Prüfungsfragen-Praxis
Prüfungsfragen bei der Prüfung

LkSG und CSDDD: Was ist der Unterschied zum EU-Lieferkettengesetz?

Die CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, Richtlinie (EU) 2024/1760) ist das EU-Lieferkettengesetz. Sie verfolgt dasselbe Ziel wie das LkSG, gilt aber EU-weit und muss erst in nationales Recht umgesetzt werden. Durch das Omnibus-I-Paket wurde sie deutlich verengt. Die Änderungsrichtlinie (EU) 2026/470 ist seit dem 18. März 2026 in Kraft.

Neben der CSDDD erweitern weitere EU-Vorgaben die Verantwortung für die Lieferkette. Die EU-Zwangsarbeitsverordnung verbietet Produkte aus Zwangsarbeit auf dem EU-Binnenmarkt. Die NIS-2-Richtlinie verpflichtet Unternehmen, Cybersicherheitsrisiken auch bei Lieferanten zu steuern. Und mit der PPWR gewinnen Verpackungsanforderungen entlang der Lieferkette an Bedeutung.

LkSG-CSDDD-Unterschiede
Unterschiede zwischen LkSG und CSDDD

Der aktuelle Zeitplan der CSDDD

  • 25. Juli 2024: Die CSDDD tritt in Kraft.
  • 18. März 2026: Die Omnibus-Änderungsrichtlinie tritt in Kraft.
  • 26. Juli 2028: Frist für die Umsetzung in nationales Recht
  • 26. Juli 2029: Die Pflichten gelten einheitlich, die früher geplante Staffelung entfällt.

Die wichtigsten Unterschiede

  • Anwendungsbereich: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt ab 1.000 Beschäftigten im Inland, ohne Umsatzkriterium. Die CSDDD erfasst nur EU-Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Milliarden Euro Nettoumsatz sowie Nicht-EU-Unternehmen mit entsprechendem EU-Umsatz. Sie erfasst damit weniger Unternehmen als das heutige LkSG.
  • Reichweite in der Kette: Das deutsche Lieferkettengesetz staffelt nach eigenem Geschäftsbereich, unmittelbaren und mittelbaren Zulieferern. Die CSDDD betrachtet die „Aktivitätskette“ risikobasiert und schaut dorthin, wo negative Auswirkungen am wahrscheinlichsten und schwersten sind.
  • Aufsicht: Beim LkSG das BAFA, unter der CSDDD nationale Behörden in einem EU-weit harmonisierten Rahmen
  • Klimapflichten und Haftung: Die ursprünglich vorgesehene Pflicht zum Klimatransitionsplan und eine EU-weit harmonisierte zivilrechtliche Haftung wurden im Omnibus gestrichen beziehungsweise den Mitgliedstaaten überlassen.

Im Kern verlangen beide dasselbe: Risikoanalyse, Prävention, Abhilfe, Beschwerdeverfahren und Dokumentation. Die Bundesregierung will das LkSG durch ein „Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung“ ersetzen, das die CSDDD eins zu eins umsetzt.

Ausblick

Wer heute ein funktionierendes LkSG-System betreibt, hat die wichtigste Grundlage für die CSDDD bereits geschaffen. Prozesse jetzt abzubauen und 2029 wieder aufzubauen, kostet in aller Regel mehr, als sie schlank weiterzuführen.

Lieferkettengesetze in anderen Ländern

  • Frankreich: Das „Loi de vigilance“ von 2017 verpflichtet große Unternehmen zu einem Sorgfaltsplan und sieht eine zivilrechtliche Haftung vor.
  • Vereinigtes Königreich: Der „Modern Slavery Act“ von 2015 verlangt eine jährliche Erklärung zu Maßnahmen gegen moderne Sklaverei.
  • Niederlande: Das Gesetz zur Sorgfaltspflicht bei Kinderarbeit zielt speziell auf Kinderarbeit.
  • Norwegen: Das Transparenzgesetz von 2022 kombiniert Sorgfaltspflichten mit einem Auskunftsrecht der Öffentlichkeit.

Für Unternehmen mit internationaler Beschaffung heißt das: Ein risikobasiertes, nachvollziehbares und wirksames System erfüllt Anforderungen aus mehreren Ländern zugleich, statt für jeden Markt eigene Prozesse zu brauchen.

Fazit

Das Lieferkettengesetz ist 2026 nicht abgeschafft, sondern im Umbruch. Die Berichtspflicht wird nicht mehr vollzogen, Bußgelder sind auf schwere Fälle beschränkt, und eine höhere Schwelle ist angekündigt. Die materiellen Sorgfaltspflichten gelten aber unverändert, und mit der CSDDD werden dieselben Grundprozesse ab 2029 europaweit verbindlich.

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Häufige Fragen

Ja. Das LkSG gilt unverändert für Unternehmen mit in der Regel mindestens 1.000 Beschäftigten im Inland. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Schwelle auf 5.000 Beschäftigte und 1,5 Milliarden Euro Umsatz anzuheben. Ein entsprechendes Gesetz ist aber noch nicht verabschiedet.

Nein. Geplant ist, das deutsche Lieferkettengesetz durch ein Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung zu ersetzen, das die CSDDD umsetzt. Bis dahin bleibt das LkSG geltendes Recht.

Faktisch nein, formell noch ja. Das BAFA nimmt seit Herbst 2025 keine Berichte mehr entgegen und prüft sie nicht. Das Gesetz, das die Pflicht rückwirkend streicht, ist aber noch nicht verabschiedet. Die interne Dokumentationspflicht nach § 10 Abs. 1 LkSG bleibt bestehen.

Seit dem 1. Januar 2024 ab in der Regel 1.000 Beschäftigten im Inland. Bei Konzernen werden die inländischen Beschäftigten aller konzernangehörigen Gesellschaften der Muttergesellschaft zugerechnet.

Nicht direkt. Als Zulieferer großer Unternehmen werden sie aber häufig über Verträge, Fragebögen und Auditrechte eingebunden. Wer Nachweise liefern kann, hat bei Ausschreibungen einen Vorteil.

Beginnen Sie mit klaren Zuständigkeiten und einer Bestandsaufnahme Ihrer Lieferanten. Darauf folgen Risikoanalyse, Grundsatzerklärung, Präventionsmaßnahmen, ein Beschwerdeverfahren, ein Abhilfeprozess und eine fortlaufende Dokumentation. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern ein nachvollziehbarer, risikobasierter Prozess.

Bis zu 800.000 Euro, bei Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Euro Jahresumsatz bis zu 2 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Jahresumsatzes. Hinzu kommt der mögliche Ausschluss von öffentlichen Aufträgen für bis zu drei Jahre. Derzeit verhängt das BAFA Bußgelder nur noch bei schweren Verstößen.

Das LkSG ist ein deutsches Gesetz und gilt ab 1.000 Beschäftigten. Die CSDDD ist eine EU-Richtlinie, die nach dem Omnibus nur Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz erfasst. Sie muss bis zum 26. Juli 2028 umgesetzt werden und gilt ab dem 26. Juli 2029.

Nicht vorschnell. Solange das Gesetz nicht geändert ist, gelten alle Pflichten. Auch bei einer höheren Schwelle werden Kunden Nachweise weiter verlangen, und die CSDDD baut auf denselben Prozessen auf. Sinnvoller ist es, den Aufwand durch Automatisierung zu senken.

Larissa Ragg

Larissa Ragg

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Marketing Managerin · lawcode GmbH

Larissa Ragg verantwortet die Content-Strategie bei lawcode und erstellt Fachbeiträge zu den Themen EUDR, ESG-Compliance, HinSchG, Supply Chain und CSRD. Ihre Beiträge auf dem lawcode Blog machen komplexe regulatorische Anforderungen verständlich und liefern Unternehmen praxisnahe Orientierung.

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